Das Endocannabinoid System einfach erklärt

Datum: 31.03.2020


Das Endocannabinoid System wurde in den 1990er-Jahren entdeckt, erlangte durch die Verbreitung von CBD-Produkten aber erst in den letzten Jahren größere Aufmerksamkeit. In diesem Beitrag wird die Funktion des Systems erklärt und alle weiteren wichtigen Informationen zusammengefasst.

Was ist das Endocannabinoid System? (einfach erklärt)

Das Endocannabinoid System (auch: endogenes Cannabinoid-System; Kurzform: ECS) ist ein biochemisches körpereigenes System, das vermutlich großen Einfluss auf eine Vielzahl von Abläufen und Funktionen des menschlichen Körpers hat. Es ist Teil des Nervensystems.

Das ECS verfügt über sogenannte Cannabinoid-Rezeptoren, die sich überall im Körper befinden (oft ungleichmäßig verteilt). Cannabinoide können an diese Rezeptoren andocken und sie dadurch entweder blockieren oder aktivieren.

Durch diese Blockierung oder Aktivierung verändert sich der Rezeptor und löst bestimmte Prozesse aus.

Endocannabinoid System

Erst nachdem das Endocannabinoid System in den 1990er-Jahren entdeckt wurde, konnten die Forscher erklären, wie Cannabinoide im menschlichen Körper wirken.

Entdeckung des endogenen Cannabinoid-Systems

Das Endocannabinoid System wurde vom israelischen Wissenschaftler Raphael Mechoulam im Zuge seiner intensiven Arbeit zur Erforschung von Cannabis bzw. Hanf entdeckt.

Bereits in den 1960er-Jahren konnte Mechoulam als erster das bekannteste Cannabinoid der Hanfpflanze THC (Tetrahydrocannabinol) isolieren bzw. nachweisen.

Darüber hinaus entdeckte Mechoulam gemeinsam mit seinem Team die beiden Endocannabinoide (endo = vom Körper produziert) Anandamid und 2-AG (2-Arachidonylglycerol), die unzertrennlich mit der Funktionsweise des Endocannabinoid Systems im menschlichen Körper verbunden sind.

Vortrag über das ECS (YouTube Video)

Im Rahmen einer TEDx-Veranstaltung spricht Dr. Rachel Knox, MD, MBA in ihrem Vortrag über die Entdeckung und die Funktionen des Endocannabinoid Systems. Der Vortrag wurde in englischer Sprache gehalten.

Der Organisator des Vortrags gibt unter dem Video zu verstehen, dass die Inhalte der Rede nicht als medizinischer Rat angesehen werden dürfen.

Funktion des Endocannabinoid Systems

Die Funktion des Endocannabinoid Systems beruht hauptsächlich auf den verschiedenen Cannabinoid-Rezeptoren. Denn an diese Rezeptoren können sowohl Endo- als auch Phytocannabinoide (phyto = pflanzlich; also: Cannabinoide, die in Pflanzen vorkommen) andocken.

Das Andocken kann man sich wie bei einem Puzzle-Teil oder einem Schlüssel-Schloss-Prinzip vorstellen. Es können also nur diejenigen Cannabinoide andocken, die aufgrund ihrer Form bzw. Struktur zum jeweiligen Rezeptor passen.

endogenes Cannabinoid-System, Funktion der Cannabinoid-Rezeptoren, Schlüssel-Schloss-Prinzip (Grafik)

Die Cannabinoid-Rezeptoren des ECS funktionieren nach dem sogenannten Schlüssel-Schloss-Prinzip. Nur diejenigen Cannabinoide, die aufgrund ihrer Struktur zum Rezeptor passen, können an ihn binden bzw. andocken.

Der deutsche Forscher Dr. Franjo Grotenhermen beschreibt den Prozess des Andockens in einem von ihm verfassten Artikel:

CBDwiki ZITAT


„Bindet nun THC […] oder eine andere Substanz, die wie ein Schlüssel in dieses Schloss passt, an diesen Rezeptor, so verändert sich dieser. Diese Veränderung löst bestimmte Prozesse in den so aktivierten Zellen aus. Im Falle der Cannabinoid-Rezeptoren sind dies beispielsweise Veränderungen der Durchlässigkeit der Zellmembran für Kalium und Kalzium sowie Wirkungen auf ein Protein, die Adenylatzyklase, die weitere Prozesse in der Zelle in Gang setzen.“[1]

Auf Seiten der Endocannabinoide kann zum Beispiel Anandamid andocken; auf Seiten der Phytocannabinoide kann beispielsweise THC an die Rezeptoren andocken.

Es gibt sowohl Cannabinoide, die nur an einen der beiden bekannten Cannabinoid-Rezeptoren (CB1, CB2) andocken als auch Cannabinoide, die an beide Rezeptoren andocken können (z.B. THC).

Cannabinoid-Rezeptoren

Die zum ECS gehörenden Cannabinoid-Rezeptoren sind in verschiedenen Zellen im ganzen Körper verteilt. Sie sitzen in der Zellmembran (die äußere Hülle der Zelle).

Zur Zeit sind vor allem zwei Cannabinoid-Rezeptoren bekannt und Gegenstand der Forschung:

  • Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1; auch: CNR1)
  • Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2; auch: CNR2)

Folgende Tabelle gibt Aufschluss darüber, wo sich die Rezeptoren befinden und welche Funktionen bzw. Wirkungen sie vermitteln können.

Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2)
Vorkommen insb. zentrales Nervensystem (Gehirn und Rückenmark); peripheres Nervensystem (u.a. Darm) insb. Immunsystem (u.a. weiße Blutkörperchen)
Funktion(en) Koordination von Bewegungen; Verarbeitung von Sinneseindrücken; Schmerzverarbeitung; Gedächtnis / kognitive Leistung; Appetitsteuerung; Angstminderung; Einfluss auf den Blutdruck Modulation von Immunfunktionen (u.a. Entzündungen)

Neben den beiden genannte Rezeptoren wird seit längerem vermutet, dass der bekannte GPR55-Rezeptor einen neuen CB3-Rezeptor darstellen könnte.

Endocannabinoide

Folgende Endocannabinoide werden vom Körper selbst produziert:

  • Anandamid
  • 2-Arachidonylglycerol
  • O-Arachidonylethanolamid
  • N-Arachidonoyldopamin
  • γ-Linolenoylethanolamid
  • Docosatetraenoylethanolamid
  • 2-Arachidonylglycerylether

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung wurden die Endocannabinoide als „Lautstärkeregler der Synapsen“ bezeichnet.

Ihre Wirkung vermitteln sie durch das Andocken an den Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems (CB1 / CB2). Dr. Franjo Grotenhermen beschreibt in seinem Artikel, dass die körpereigenen Endocannabinoide offenbar schneller bzw. kurzfristiger wirken als die pflanzlichen Phytocannabinoide.

Ein Auszug:

CBDwiki ZITAT


„Die Wirkdauer der bisher bekannten Endocannabinoide bewegt sich im Bereich von einigen Minuten, ist also wesentlich kürzer als die der pflanzlichen Cannabinoide. Sie werden von den Körperzellen offenbar in unmittelbarer Umgebung ihres Wirkortes abgegeben und von bestimmten Enzymen vergleichsweise rasch wieder zu unwirksamen Substanzen abgebaut oder wieder in die Zellen aufgenommen.“[1]

Phytocannabinoide

Folgende Phytocannabinoide kommen in Pflanzen (insb. Hanf) vor und können aufgrund ihrer Struktur an die körpereigenen Cannabinoid-Rezeptoren andocken (Auswahl):

  • Tetrahydrocannabinol (THC)
  • Cannabidiol (CBD)
  • Cannabigerol (CBG)
  • Cannabinol (CBN)
  • Cannabitriol (CBT)

Alle weiteren Phytocannabinoide der Hanfpflanze ansehen.

Bei welchen Beschwerden kann das Endocannabinoid-System helfen

Wie bereits weiter oben angedeutet, werden über die Rezeptoren des Endocannabinoid-Systems wahrscheinlich vielfältige Signale übertragen, die unter anderem die Empfindung von Schmerzen und die Regulation des Immunsystems betreffen.

Das geschieht entweder durch die Aktivierung oder durch die Blockierung der Rezeptoren durch die Cannabinoide.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die gezielte Aufnahme von bestimmten Cannabinoiden die Symptome diverser Krankheiten lindern könnte.

Einige Eigenschaften konnten bereits wissenschaftlich belegt werden. Bei vielen anderen potentiellen Wirkungen handelt es sich bisher jedoch nur um Vermutungen.

Bei der Behandlung von folgenden Krankheiten / Beschwerden könnte das Endocannabinoid-System laut Studien und Erfahrungsberichten eine wichtige Rolle spielen (Auswahl):

  • Alzheimer Demenz
  • Parkinson (Morbus Parkinson)
  • Reizdarm (Reizdarmsyndrom)
  • Angststörung
  • Multiple Sklerose (MS)
  • Stress
  • Krebs
  • Depressionen
  • Epilepsie
  • Fibromyalgie
  • Migräne
  • Schlafstörungen
  • ADHS
  • Blutdruck

Besitzen auch Tiere ein Endocannabinoid-System?

Auch Tiere wie zum Beispiel Hunde oder Katzen besitzen ein Endocannabinoid-System. Dr. Rachel Knox erwähnt in ihrem TEDx-Vortrag, dass alle Tiere über ein ECS verfügen, mit Ausnahme von Insekten.

Es wird vermutet, dass intelligentes Leben ohne das Vorhandensein eines Endocannabinoid-Systems (oder eines vergleichbaren Systems), nicht möglich wäre.

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Fazit

Das Endocannabinoid-System ist ein wahrscheinlich überlebenswichtiges System innerhalb des menschlichen Körpers. Über die Rezeptoren können sowohl körpereigene Endocannabinoide als auch pflanzliche Phytocannabinoide ihre Wirkung auf den Körper entfalten. Obwohl bereits einige Eigenschaften des Systems bekannt sind, steht die Forschung zu diesem Thema noch ganz am Anfang.

[1] Dr. Franjo Grotenhermen: Das Endocannabinoidsystem – Funktion und Bedeutung für die Therapie; Veröffentlichungsdatum unbekannt; http://www.cannabislegal.de/cannabisinfo/endocannabinoidsystem.htm (abgerufen: 04.03.2020)

Über den Autor: Daniel ist Gründer von CBDwiki und Autor dieses Beitrags. Mehr erfahren.
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